Strassenkinderzentrum

Das Problem der Strassenkinder in Kinshasa ist relativ neuartig. Erst durch die Verschlechterung der Lage im ehemaligen Zaire am Ende der Regierungszeit Mobutus (90er Jahre) und dann mit Kriegsbeginn und der Regierung unter Präsident D. Laurent Kabila (1997) und dem jetztigen Präsidenten Joseph Kabila (2001), tritt das Phänomen der Strassenkinder sehr verstärkt auf. Heute spricht man von mehr als 20 000 Strassenkindern in Kinshasa (Schätzungen belaufen sich von 6 Mio. bis 8 Mio. EinwohnerInnen).

Die Kinder sind entweder von ihren Eltern geflohen oder von zu Hause vertrieben worden. Es gibt verschiedene Gründe für die einzelnen Schicksale. Wenn die Kinder freiwillig das Leben in der Strasse gesucht haben, dann darum, weil sie zu Hause misshandelt wurden, weil die Eltern sie nicht ern�ren konnten oder teilweise auch weil sie die Freiheit suchen. Vertrieben werden die Kinder aus einem ähnlichen Grund - die Eltern können nicht für Essen, die Kleider und schon gar nicht für die Schulkosten aufkommen.

Da aber der Aberglaube noch extrem weit verbreitet ist, werden die Kinder zu Hexen verdammt - teilweise als Ausrede, um sich nicht mehr um das Kind kmmern zu mssen, aus psychologischen Grund einen Verantwortliche/n für die Armut, oder den Tod von Angehrigen zu finden und in der Vertreibung der Kinder das Gefühl zu haben "aktiv etwas gegen die Armut zu tun". Der Glaube an die Hexerei wird durch Auferstehungskirchen teilweise unterstützt. Diese sind es, die Rituale zur Geistervertreibung durchführen können - oft gegen teures Geld, das sich die Verwandten nicht leisten können.

Hanna und Lena im Strassenkinderzentrum

Oft wurden die Kinder auch durch den Krieg von ihren Eltern getrennt (die Eltern sind umgekommen oder das Kind wurde auf der Flucht zurckgelassen). Zu dem gibt es Waisenkinder (Aids), für die sich niemand verantwortlich fühlt. So sind die Kinder oft bereits ab 3 - 4 Jahren auf sich selbst gestellt, kämpfen ums Überleben, sind mit 10 Jahren oft erwachsener als viele Erwachsene. Die Strasse birgt viele Gefahren: Drogen (Valium, Haschisch, Alkohol etc.), psychische und physische Gewalt (Bandenbildung, Unterdrückung und Gewaltanwendung durch Ältere, Gewalt durch Militär, Polizei etc.), kein Schutz gegen Misshandlungen aller Art (Verschleppung, Prostitution, Zwangsarbeit), Krankheiten, Unter- und Mangelernährung, keine Ausbildung (weder sozial noch schulisch), kein Zugang zu Gesundheitszentren, etc. Oft organisieren sie sich in kleinen Gruppen, wo die "Grossen" auf die "Kleinen" aufpassen. Somit werden Strassenkinder von Strassenkindern aufgezogen.

Das Zentrum

In Kinshasa gibt es viele Strassenkinderzentren. In unserem Zentrum werden ungefähr 40 Kinder beider Geschlechter im Alter von 4 - 17 beherbergt. Die Kinder sind freiwillig dort und können kommen und gehen, wann sie wollen.

Am Vormittag geht ein Grossteil in die Schule, diejenigen die nicht wollen oder das Schulgeld nicht aufbringen können, bernehmen stattdessen haushaltliche Pflichten oder arbeiten. Nachmittags haben sie Freizeit, die sie im Freien verbringen - mit Spielen, Schlafen, Kochen, Geld besorgen und ähnlichem. Das Zentrum beginnt gerade ein Projekt mit einem Nähatelier, wo die Kinder (meistens Mädchen) nähen lernen können und somit Aussichten auf einen Beruf haben. Ausserdem versuchen sie, die Kinder soweit wie möglich psychologisch zu betreuen, was allerdings nur durch Psychologie-Studenten passiert, da sich das Zentrum eigene Psychologen nicht leisten kann.

Schwierigkeiten

Durch nicht vorhandene finanzielle Ressourcen ergeben sich folgende Probleme: