Tagebücher und Reiseberichte

Im folgenden einige Berichte und Aufzeichnungen von Österreicherinnen und Österreichern die im Rahmen von Bino na Biso in der DRC waren.

Andrea Fritsche

andrea.fritsche@binonabiso.com

habe mal einen teil einer arbeit über hexerei geschrieben (weil ich in 
paris recht viel dazu las) aufgrund des aufenthaltes in kin - der mich
offensichtlich sehr verwirrt hat :- ) .
Da hab ich jetzt mal die allzu absurden uni-mathe-geschichten und sonstigen
verbindungen rausgetan und den reinen hexereiteil gelassen - ist mehr der
versuch für mich über literatur über afrika und hexerei irgendwie dem
phänomen auf den grund zu kommen - oder es ein bisschen zu verstehen. Die
inspiration ist in kinshasa zu finden. Hab es damals auf französisch
geschrieben (mit wohl vielen fehlern) aber hab ich jetzt gelassen -
vielleicht übersetz ich's irgendwann bzw. versuchs in eine deutsche form zu
bekommen. Vielleicht könnt ihr damit was anfangen.

... zur Hexerei [franz. PDF 183 kB]


Monika Krca

monika.krca@binonabiso.com
"nun ja- überraschung! ich hab mich hingesetzt und hier ist zumindest ein
erster entwurf. das mit dem klicken ist (dank der umwandlung in ein
pdf-format, was 40x kleiner als die powerpoint präsentation ist) irgendwie
nun irreführend- wie gesagt, es ist mal ein entwurf.

viele fotos hab ich auch leider nicht digital, d.h. ich muss sie erst
irgendwo einscannen. also sind noch ausbau-möglichkeiten vorhanden!"

... und hier ist er: Klick dich durch den Kongo [PDF 1,7 MB]


Lena VogelmannLena

kalafudra@binonabiso.com

24. Lagerbericht:


Hallo meine Lieben
Es gibt mal wieder einen Lagebericht, und diesmal wird’s ein verdammt kurzer,
weil ich jetzt schon fast vier Stunden vor dem Computer sitze (endlich mal
gratis Internet) und versuche, alle Mails, die ich schon ewig vor mir
hergeschoben habe, zu beantworten, aber jetzt tut mir echt schön langsam
mein Hintern voll weh und ich gebe mit großer Wahrscheinlichkeit schon
irgendwelche Strahlungen ab.
Abre ich wurde von ein paar Leuten darauf hingewiesen, dass es in Kinshasa
ja einen Putschversuch gegeben hat und ob es mir eh gut geht, ich wollte nur
alle beruhigen: Ja, es geht mir gut, auch wenn es einen Putschversuch
gegeben hat, von dem man aber hier eigentlich so gut wie nichts mitbekommen
hat, außer, dass während zwei Tagen  die Polizeikontrollen ein bisschen
strenger waren, nachts. (Keine gute Zeit zum Ausgehen, da Polizisten 10
Dollar im Monat verdienen, womit man nicht mal hier leben kann und sie
deswegen versuchen, jedem, der vorbeikommt, ein bisschen was abzuknöpfen,
was dann auch schon mal an Straßenraub grenzen kann, wenn man seine
Ausweispapiere vergessen hat.) Aber ich war nach Dunkelwerden nicht
draußen, zumindest nicht alleine, also, kein Grund zur Sorge.
Ja, sonst kann ich euch erzählen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben
Maden gegessen habe und sie waren nicht mal schlecht. Frei nach dem Motto
"try everything" und den Überredungskuensten eines etwas insistierenden
Gastgebers habe ich mich in dieses Abenteuer gestürzt, bin lebendig wieder
zurückgekommen und kann sagen, dass Insekten nicht schlecht sind (abgesehen
von Ameisen, die ich einmal leider auf meinen Schlecker übersehen hatte.
Die sind ziemlich bitter...). Auch wenn ich’s immer noch grindig finde, dass
man die Viecher teilweise lebendig kauft und kocht, aber das finde ich ja
auch bei Hummern und Schildkröten grausig...
Abgesehen von diesen zwei Geschichteln wollte ich noch mal mein Ankunftsdatum
bestätigen, ich weiß nicht, ob ich das hier schon offiziell durchgegeben
habe: Also, ich komme am 09.08. 2004 um 10.10 am Flughafen Wien-Schwechat
an. Allerdings werden die ersten 2, 3 Wochen wohl völlig familienmässig
verplant sein. Aber dann steh ich voll zu euer aller Verfügung bis ich zu
arbeiten beginne. ;) Dann müsst ihr mich wieder mit der Arbeit teilen...
Naja, sonst gibt’s eigentlich nichts zu berichten, also, ich lass wieder von
mir hören.
Bussi an alle
Lena



25. Lagerbericht:


Ja, meine Lieben,
es flattert mal wieder ein Lagebericht zu euch ins Haus oder ins
Internetcafé oder ins Studentenheim oder wie auch immer....
Es gibt eigentlich keine großartigen Neuigkeiten zu berichten, außer, dass
der Ingo Mäuse mit Hüten fangen kann (Man versetzt die Maus in Panik,
wirft ihr einen Hut zu, sie versteckt sich drin und TADA sie ist gefangen).
Hm, ich glaube, dass wird ein Ingo-Lagebericht, weil er noch was erlebt hat,
dass ich so süß und ziemlich kongolesisch finde, dass ich es euch nicht
vorenthalten möchte.
Also, der Ingo gibt Kurs, Terminal Server unter Linux. Auf einmal beginnen
sich seine Schäfchen, so eins nach dem anderen davonzuschleichen und kommen
erst geraume Zeit später wieder. Auf die Frage, wo sie denn waren, ist die
Antwort: "Wir machen uns alle solche Sorgen, dass die Mondele (Weiße)
unsere Arbeitsmoral ungenügend finden könnten, da haben wir beschlossen,
dass wir das bereden müssen." Über ein paar Bier. In der Arbeitszeit. Und
das ist wirklich völlig ernst gemeint.
Ich find das so herzig, dass das erste Mal, wo die Arbeitsmoral wirklich am Boden war, dann war, als sie besprochen haben, wie man die Arbeitsmoral  erhöhen kann.
Naja, ich habe ja Gottseidank keine solchen Probleme, als Mondele bin ich ja
nie faul oder ungenügend motiviert. Haha.  ;)
Sonst geht alles seinen gewohnten Gang.
Übrigens, wenn mich jemand besuchen kommen will: Im Juli wird hier ein
Workshop-Camp-Arbeitsurlaub organisiert und angeblich ist es gar nicht so
teuer, dauern tut’s drei Wochen, mehr Infos dazu unter lukas@binonabiso.com . Würde
mich freuen, ein oder zwei bekannte Gesichter zu sehen. Und der Kongo ist eh
sehr interessant.
Ja, das war’s eigentlich schon wieder, ich mach Schluss, wir hören bald
voneinander, ich schick euch ein dickes Bussi
Lena



26. Lagerbericht:Lena am Computer


Hi ihrs!!!!
Jaja, es ist wieder Lagebericht-Zeit ;)...
Bevor ich wieder ein tolles Kongo-Gschichtl erzähl, gibt’s eine neue Info zu
dem Workcamp. Und zwar hat das Ganze eine homepage: www.vum.at/workcamp .
Dort steht alles Genauere und ich will noch mal alle Leute darauf hinweisen,
dass ich mich echt, echt, echt über Besuch freuen würde ;)
Ja, jetzt zu meinen tollen Geschichtl. Das Thema kennen inzwischen eh schon
alle und zwar unsere lieben, halbwilden Katzen, deren Anzahl sich seit der Drohung
mit dem Kochtopf (siehe Lagebericht Nummer 23, wenn mich nicht alles
täuscht, vielleicht auch 22) dezimiert hat - und zwar ist nur noch D'Artagnan da...
Traurig, aber wahr. Irgendwann kam dann aber die Frage auf, WIE denn eigentlich die
Katzen hier gefangen werden, da man sich ihnen ja kaum auf drei Schritt nähern kann
und Mike (Mitbewohner, Kollege und großer Schatz) hat uns unwissenden Ösis
erklärt, dass das ganz einfach sei: man nehme ein bisschen Fisch und fülle
ihn mit Valium, soviel Valium, dass die Katze nicht genug Zeit hat, sich
wegzuschleppen und woanders zu schlafen...
Was mehr Fragen gestellt als beantwortet hat. So zum Beispiel: Haben Kongolesen
noch nie davon gehört, dass es nicht unbedingt die intelligenteste Methode ist, sein
Essen zu fangen, indem man es vergiftet? Macht Valium nicht abhängig (sind sie
deswegen so versessen auf Katzen)?! Warum sterben die Kongolesen nicht an
einer Überdosis? Wenn eine Ratte diesen Fisch frisst, wird die Ratte dann
auch gegessen (damit man keinen Köder verschwendet wird...)? Wieso lassen
die Katzen das Valium nicht übrig? Sind Kongolesen (zumindest die
Katzenjagenden) verrückt? Hat uns der Mike da nicht ein Gschichtl erzaehlt?
Wenn ja, WIE zum Teufel werden dann die Katzen gefangen?
Also, wie ihr seht, gibt es mal wieder die große Unklarheit, aber je länger man im Kongo ist, desto mehr gewöhnt man sich daran, dass äußerst wenig Sachen Sinn machen (zumindest für Europäer). Ein tolles Land, hier gibt es noch wirklich Rätsel zu lösen.
Jedem, der meint, Religionen werden unnötig, weil die Wissenschaft eh schon alles erklärt, dem lege ich noch mal das Workcamp ans Herzen, um in den Kongo zu kommen und mir Kongolesen wissenschaftlich zu erklären ;)... Vielleicht komm ich noch geläutert, soll heißen, als tiefgläubiger Katholik, nach Österreich zurück. Mein T-Shirt mit Jesus drauf habe ich schon. Sollen andere Leute Marilyn Manson-Shirts tragen, ich bleibe bei meinem "Letztes Abendmahl"-Leiberl... ;)
Naja, nein, da müsst ihr euch keine Sorgen machen... Ganz so verändert hat mich der Kongo auch nicht
Also, ich schreib euch bald wieder, ich hoffe, bei euch ist alles in Ordnung
und dass ich gaaaaaaaanz viele emails bekomme!!!
Bussi
Lena



27. Lagerbericht:


Hallo an alle!!!
Es hat mich mal wieder ein schönes Geschichtl gereizt, einen Lagebericht zu
verfassen und hier ist er und das Geschichtl folgt auf dem Fuß.
Ich weiß nicht, warum in letzter lauter so seltsame Dinge Gesprächsstoff
bei uns sind... Und die Quelle ist schon wieder der Mike, unterstützt
allerdings vom Christian, einem Freund von mir. Also folgendes Thema ereilte
uns eines schönes Abends, als wir auf der Terrasse saßen: Die Mäuse. Das
ist ja nichts neues, es gibt sie bei uns in sämtlichen Größen und in riesiger Anzahl. Aber es kam einer neuer Grund, warum sie so unangenehm sind, aufs Tapet: Nicht nur das sie unhygienisch sind und uns den Reis wegfressen und mich ungefähr dreimal täglich zu Tode erschrecken, weil sie mir über die Füße laufen, nein, Mäuse fressen nämlich eben diese Füße, wenn man schläft. Auf meinen meiner Meinung nach berechtigten Einwand, dass man das ja durchaus spüren würde, wenn so eine Maus daherkäme und an der eigenen Ferse (also nicht Mäuseferse, sondern der
menschlichen...) knabbern würde (mal ganz gesetzt dem Fall, dass die Maus
unbändige Lust hat, Menschenfüße zu essen und sich nicht vor Furcht aus
dem Staub macht, wenn man mal schnauft), kam die Entgegnung, nein, das
spürt man nicht, die anästhesieren dich nämlich. Wie? Indem sie gleichzeitig auf
die Wunde blasen, während sie knabbern und so spürt man das erst am nächsten
Morgen, wenn man versucht aufzustehen.
Aha, ich schlage jetzt also folgendes vor: Wenn jemand mit mir Geschäfte machen
will, dann soll er mit dem AKH in Wien oder von mir aus auch mit dem Krankenhaus
in Oberpullendorf Kontakt aufnehmen. Ich fange dann eine oder zwei Mäuse
hier mit Ingos patentierter Hut-Methode (die übrigens auch mit dem Stiefel funktioniert,
nur wirft man in dem Fall nicht den Stiefel, sondern jagt die
Maus mit Hilfe eines Handtuchs in den Stiefel hinein...), transportiere sie
nach Österreich und gemeinsam lösen wir eine Revolution arbeitsloser
Anästhesisten aus, indem wir die Mäuse einstellen?!!! Na wer hat Lust?
Na gut, wenn sich Leute finden, wär ich überglücklich, meine Emailadresse
habt ihr ja, ich muss schon wieder laufen, alle Leute, die noch auf eine
Antwort warten, bitte geduldet euch, ich werde mein bestes geben, sie morgen
zu schicken!
Bussi an alle
Le



28. Lagerbericht:


Hallo ihrs!
Also, es tut mir leid, ich liege am Boden, begraben unter einem Berg mieser
Entschuldigungen, warum ich so lange nicht mehr geschrieben habe und und und
ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, aber jetzt bin ich ja da und ich schreibe schon wieder und ich werde es wieder tun, und wieder und wieder (und das ist jetzt keine Drohung, sondern ein Versprechen) und das in geringeren zeitlichen Abständen...
Also, was kann ich euch erzählen... Der Frank (=Präsident von BnB) ist da.
Endlich. Nachdem man ihn seit dem 15. April mehr oder weniger täglich
erwartet hatte, hat er noch einmal für Spannung gesorgt, indem er seinen
Flug von Amsterdam nach Nairobi versäumt hat und statt Donnerstag dadurch
erst am Samstag angekommen ist, aber, wie gesagt, er ist da.
Dadurch habe ich jetzt wieder ein Telefon (00243 81 033 21 41), vielen Dank
an meine große Schwester!!!!!!!!!!!!!!!!(Wart nur auf dein persönliches
Mail, dann wirst du überschwemmt mit Dankesworten und Kniefällen und und
und...) Außerdem sonstige supertolle Sachen, die viel Freude machen (sodass
ich sogar zu reimen beginn... schlimm), unter anderem Fotos von der Hanna
(bzw. Fotos, die sie hier gemacht hat, nicht dass sie mir einen Katalog
geschickt hat von sich selbst) (das wird noch genauestens im privaten Teil
beschrieben...;)) und ein supercooler, superlanger Brief von meiner Stell
(wart auch du auf dein Mail...).
Ja, bald bricht der Frank nach Boma (=Hafenstadt etwas weiter westlich von
Matadi) auf, um das Boot in Empfang zu nehmen und ich würde äußerst gerne
mitfahren, aber leider habe ich im Moment kein gültiges Visum (seit einem
Monat abgelaufen und die Verlängerung dauert etwas aus finanziellen
Gründen). Jetzt kann ich nur hoffen, dass das Boot etwas auf sich warten
lässt und dass das mit meinem Visum vorangeht und dass mich der Frank
mitnimmt... :)
Sonst haben wir jetzt einen Hund, ein kleiner Welpe, vielleicht 8-10 Wochen
alt. Der Mike hat ihn gekauft für 300 FC (75 Cents) von irgendwelchen
Leuten, die ihn gerade essen wollten. Also, er hat ihn natürlich gekauft,
BEVOR er geschlachtet wurde. Ist ein lieber kleiner Kerl, nennt sich Hund
(sehr ausgefallener Name für den Kongo), hat blaue Augen und
Fledermausohren und gaaaanz viele Flöhe. Aber das ist eh schon besser, seit
er fast täglich von mir in ein Benzinbad (natürlich nicht pur) geworfen
wird.
Wenn ich mir den letzten Absatz so durchlese, fällt mir auf, dass ich
vielleicht mal eine Sache klarstellen muss: Nicht alle Leute hier essen
Katzen und Hunde. Die meisten ernähren sich für unsere Verhältnisse
äußerst normal (soll heißen Hühnchen, Fisch, Rind und Schwein). Und es
ist nicht so, dass man die Haustiere einsperren muss, aus Angst, dass sie
dem Nachbarn zum Opfer fallen oder so. Aber es gibt halt doch Menschen, die
sehr experimentierfreudig in ihrer Nahrungsaufnahme sind.
Außer diesen großen Neuigkeiten gibt es eigentlich gar nichts. Es sind nur
noch 2 1/2 Monate, bis ich wieder zu Hause bin, das ist echt der Wahnsinn.
Sogar der Frank fährt erst nach mir ab. Nicht nur, dass ich mich schon sehr
freue, euch alle wieder zu sehen, aber die Zeit vergeht so schnell und ich
habe mich hier wirklich gut eingelebt (auch wenn ich mich mal über was
Anderes als Fufu zu essen freuen würde, vielleicht sollt ich auch mal Katz
und Hund versuchen...?), ich denke, ich werde den Kongo sehr vermissen (und
hoffentlich bald wieder her kommen).
Aber gut, zuerst mal das fertig bekommen, was ich im Moment mach und dann
werma eh sehen, wann ich wieder aus Österreich flüchte!
Also, ich schick euch ein Bussi, ich muss noch sehr viele Emails schreiben...
Le



29. Lagerbericht:

Lena in Bascongo
Hallo ihrs!!!!
Also, es ist mal wieder soweit, nachdem ich den Lagebericht eigentlich schon
am Montag schreiben und abschicken wollte, aber nicht dazu kam, weil
technische Schwierigkeiten das ganze Internetcafé lahm gelegt hatten.
Was gibt es zu schreiben? Der Frank ist schon aus Boma zurück, mit allen
Sachen, soll heißen, alles, was nicht an der Elfenbeinküste geklaut wurde,
wo das Schiff blöderweise Halt gemacht hat. Ich konnte leider nicht mit,
weil mein Visa noch nicht in Ordnung ist (sollte, aber heute oder morgen
werden) und er außerdem so überraschend abgefahren ist, dass ich nicht mal
da war...
Tja, Pech gehabt, vielleicht habe ich ja trotzdem noch die Möglichkeit,
Boma und Mwanda zu sehen. Mwanda liegt noch etwas weiter westlich als Boma
und ist die Stadt, die den Grossteil der Strandfläche beansprucht (was
nicht gerade sehr viel ist. Ich weiß nicht mehr, ob es 30 oder 300 km
waren, aber nicht mehr...)
Aber zumindest habe ich mit dem Boot ein paar Bücher gekriegt, die sich der
Ingo selbst geschickt hatte, aber da er nicht mehr da ist, habe ich sie
jetzt mal zwangsbeschlagnahmt. Hehe.
Sonst war ich am Dienstag "en doeuil" (ja, ich denke, ich habe mich nicht
verschrieben und es sind tatsächlich 4 Vokale hintereinander. Übersetzt
von normalem Französisch auf Deutsch heißt das soviel wie "in Trauer
sein". Aber nicht in Afrika. oder zumindest im Kongo. Hier ist das nämlich
so: Wenn jemand stirbt, dann kommt die ganze Nachbarschaft, sämtliche
Menschen, die den Toten zu Lebzeiten gekannt haben und sonstige Leute
zusammen und lassen sich vor, hinter und neben seinem Haus nieder und
bleiben dann solange, bis die Leiche freigegeben und begraben wird. Jetzt
soll das nicht heißen, dass en doeuil nur geheult wird, ganz im Gegenteil,
normalerweise sind es ein, zwei Mamas die heulen und der Rest der Menschen
ist zwar betrübt, dass der Mensch tot ist, amüsiert sich aber recht gut,
abgesehen davon, dass man nach zwei Tagen schon ziemlich übermüdet ist.
Manchmal kommt es auch zu Streitereien, wo denn das doeuil abgehalten werden
soll, ob z. B. in dem Viertel, wo der Mensch aufgewachsen ist oder dort, wo
er zuletzt gelebt hat usw. Bei dem doeuil, wo ich war, musste sogar die
Polizei eingreifen (da war ich aber Gott Sei Dank gerade nicht da), weil es
zu solchen Streitereien gekommen ist. Da sei aber hinzugefügt, dass der
Tote ein Judoka war und wenn ein Kampfsportler stirbt, dann können seine
Bekannten, die auch Kampfsportler sind, sich gegenseitig verprügeln, damit
man sich an ihn erinnert. Oder zumindest wurde mir das erklärt. Ich weiß
bei solchen Sachen nie, ob man mich nicht auf den Arm nehmen will... Aber
ich befürchte, dass das nicht der Fall ist.
Naja, sonst gibt’s eigentlich nichts zu berichten, ich mach Schluss, ich meld
mich aber bald wieder!!!!
Bussibaba
Lena



30. Lagerbericht:


Hallo ihrs!
Ja und es kommt mal wieder ein Lagebericht in die Mailboxen geflattert. Ich
hoffe, es geht euch allen gut und die kollektive Schreibfaulheit, die die
meisten befallen hat, ist nicht krankheitsbedingt und deswegen poche ich
hier auf mein Recht und schreie: ICH WILL MAILS! ICH WILL MAILS!
Nachdem dieser Punkt geklärt ist, wollte ich euch vom Défilé des écoles
conventionnées catholiques erzaehlen. Das war ein Festmarsch, wie ich ihn
schon einmal im Dezember gemacht hatte. Nur dass es diesmal viel größer
und viel festlicher war. Es waren alle katholischen Schulen Kinshasas
vertreten und gedauert hat das mit Warten und allem ungefähr 5 Stunden.
Ich hatte auch schon mal gut begonnen: Man sagt mir 7.30 morgens Treffpunkt,
ich denke, okay, das ist der Kongo und komm um 7.45. Ha! Ich war die
allererste, der nächste ist um 8.15 aufgetaucht. Und dann haben wir noch
bis um 11.30 gewartet, dass das Défilé überhaupt begonnen hatte und dann
haben wir noch mal gewartet, dass wir an der Reihe waren und dann konnten wir
überhaupt nicht mehr festlich marschieren, weil wir alle viel zu müde
waren, nachdem wir ungefähr 4 1/2 Stunden gestanden sind.
Aber das hätten wir dann auch geschafft und dann wurde ich von den Lehrern
noch auf ein paar Bier eingeladen und dann ging’s nach Hause.
Ja... Ich wollte mich eigentlich darüber lustig machen, dass ich, als eine
der (wenigen?) weiblichen Wesen, die Uniformen eher entstellend als sexy
findet und noch dazu als Atheist und überzeugter Massenveranstaltungsgegner
(es sei denn, es handelt sich um Konzerte), mich in Uniform auf dem
Festmarsch der katholischen Schulen wiederfinde, bei dem ungefähr 5 000
Schüler und noch mal so viele Lehrer zugegen waren. Ist jetzt grob
geschätzt. Aber dann habe ich mir wieder gedacht, dass das doch nicht so
interessant sein wird für euch. Ich wollte nur kurz erwähnen, dass mich
diese Aktion in nichts bekehrt hat. Bin noch immer ein uniformverabscheuender, atheistischer Massenveranstaltungshasser. Liebt mich so oder lasst es bleiben ;).
Naja, sonst gibt’s keine großartigen Neuigkeiten.
Außer vielleicht, das habe ich das letzte Mal vergessen und es ist natürlich eine große Neuigkeit: Im Juli werden mich drei Ösis beehren, das ist alles, was aus dem Workcamp geworden ist, aber das sie nicht so zahlreich sind, das macht überhaupt nichts. Ich freu mich trotzdem schon.
Leider bleiben sie nur für drei Wochen und fliegen daher früher ab als ich.
Ja, ich bin auf jeden Fall schon gespannt.
Sonst gibt’s nichts zu berichten, ich schick euch allen ein dickes Bussi
Lena



31. Lagerbericht:

Lena mit Hanna beim Gemüseputzen
Hi ihrs!
Also, es wird jetzt nicht täglich ein Lagebericht kommen, ich wollte nur kurz schreiben, weil es im Kongo im Moment ärgere Unruhen gibt. Ich weiß
nicht, inwiefern das österreichische Rundfunkwesen darüber informiert,
also Kurzfassung von mir:
Die Armee Ruandas ist gestern in den Kongo eingedrungen (bzw. sind die eh
die meiste Zeit da) und haben eine kongolesische Stadt, Bukavu, als
ruandesisches Gebiet erklärt. Diese Stadt befindet sich so ziemlich am
östlichsten Punkt vom Kongo, an der Grenze zu Ruanda halt.
In Kin, das ja ganz im Westen liegt, ist die Situation gefahrlos, wenn die
Leute auch ein bisschen gegen die UNO revoltieren, die nicht gerade wie der
große Beschützer auftritt. Allerdings hatten die Studenten heute auch
besonders viel Zeit, weil es einen Professorenstreik gegeben hat. Ich nehme
also an, dass sich mit morgen die Situation schon etwas beruhigt haben wird,
wenn die Studenten wieder an die Uni müssen (und nicht mehr an die UNO -
blödes Wortspiel, aber das musste sein, nachdem ich mich schon mehrmals
vertippt habe. Ist auch gemein, dass das I gleich neben dem O ist).
Mir geht’s gut, ich lebe, bin in meinem Viertel, wo eh alle wissen, dass ich
nicht für die UNO arbeite und so gesehen außer Gefahr. Auch wenn ich jetzt
keine Stadttouren ohne Begleitung mache, aber das ist nicht so schlimm.
Also, ich wollte nur kurz schreiben, sollte das österreichische Fernsehen/Radio nicht so genaue Infos geben (wenn sie überhaupt darüber schreiben, aber vielleicht ist ja auch gerade der Hund von Karl Lagerfeld gestorben oder der Haider hat mal wieder eine blöde Meldung geschoben, dann isses eher unwahrscheinlich...), damit sich niemand Sorgen um mich macht.
Ich habe viele starke Beschützer, die zum Teil sogar (Ex)Boxer sind ;).
Habe nicht soviel Zeit heute, nur wenig Geld einstecken, also entschuldige
ich mich schon mal vorab für das Fehlen jeglicher privater Emails, die
kommen höchstwahrscheinlich Montag nach, wenn ich in unserem Internetcafé
bin, wo ich nicht zahle....
Bussi
Lena


32. Lagerbericht:


Hallo ihrs!!!
Ich melde mich mal wieder, auch wenn es nicht sehr viel zu berichten gibt.
Hier schaut’s nicht viel anders aus als am Donnerstag. Die Attacken auf
die UNO in Kinshasa haben aufgehört, weil die Leute, für die das
Nicht-Handeln der UNO in diesem Fall der Tropfen war, der das Fass zum
Überlaufen gebracht hat, der Regierung ein Ultimatum gestellt haben. Das
läuft heute aus, aber bis jetzt gibt’s keine weiteren Unruhen. Wir wollen
hoffen, dass das auch so bleibt, da ich gehört habe, dass dieser Anfall von
Patriotismus, der die Kinshaser bewogen hat, sich auf die UNO zu stürzen,
immerhin (laut lokalen Angaben) 18 Leuten das Leben gekostet hat.
Mir geht’s aber gut. Abgesehen von leichtem Lagerkoller. Seit Mittwochabend
habe ich mehr oder weniger keinen Fuß mehr vor die Tür gesetzt (das
weiteste waren die 500 Meter zur Mama Betty). Normalerweise habe ich ja kein
Problem damit, mal eine Woche zu Hause zu bleiben. Wenn ich aber dazu
gezwungen bin, weil man mich sonst vielleicht für jemanden von der UNO
hält und mich dann irgendwohin verschleppt, dann ist das was ganz anderes.
Noch dazu, wenn ich weder Bücher, die ich noch nicht gelesen habe, oder
Fernsehen oder Ähnliches zu Verfügung habe. Immerhin kann ich jetzt
bestätigen, dass ich ein Talent dafür habe, mich zu beschäftigen, und
wenn es die von mir verabscheute Tätigkeit des Abwaschens ist, mir ist
eigentlich äußerst selten langweilig. Auch wenn ich mir 100 000 Dinge
denken könnte, die ich lieber machen würde...
Naja, wenn alles gut geht, habe ich morgen wieder volle Bewegungsfreiheit
und ein geltendes Visum. Dann kann ich mich darum kümmern, dass ich ein
geltendes Flugticket bekomme. Das ist nämlich die ur Hufnagl-Geschichte:
Mein Ticket ist im März ausgelaufen. Seit Februar bin ich immer im Abstand
von 3 Wochen bei KeniaAirways - aber die Menschen sind UNFAEHIG mein
Flugticket zu verlängern. Es wird schon richtig ärgerlich, was sich da
abspielt. Aber ich denke, man muss auch lachen können, also ärger ich mich
nicht sondern lach darüber. Irgendwie werd ich das schon schaffen,
Reservierung habe ich ja schon, also lass ich mir sicher nicht meinen Platz
wegschnappen, um mich dann vielleicht noch mal darum kümmern zu müssen,
dass mein Visum verlängert wird - das wär dann aber echt die Krönung.
Also, ich hoffe, es geht euch allen gut da oben! Ich schick euch ein Bussi
und hoffe auf ganz viele Emails (wie immer;)).
Lena



33. Lagerbericht:


Hallo meine Lieben,
eine knappe Woche vergangen und es gibt eigentlich nicht sehr viel zu
erzählen.
Die Ruandesen (oder, wie mich der Gerald informiert hat, sind es laut
Standard von den Ruandesen unterstützte Rebellen) wurden aus Bukavu mehr
oder weniger verdrängt. Ein kongolesischer General namens Mbunja Mabe
(heißt Böser Mbunja, wobei Mbunja ein Stamm hier ist, geiler Name) ist
dort einmarschiert und hat Bukavu befreit, mehr oder weniger zumindest. Das
war vorgestern.
Inzwischen hat es für mich die Entwarnung gegeben - ich kann schon wieder
aus dem Haus, aber ich soll nicht alleine. Und nachdem alle anderen arbeiten
oder studieren, heißt das für mich trotzdem, dass ich zu Hause sitz und
wie ein Tiger die Gitterstäbe auf und abrenne. ;)
Diese Entwarnung wurde aber heute eh auch gleich wieder revidiert, weil ein
paar durchgeknallte Soldaten in der Stadt Wirbel machen. Aber auch das hat
sich schon wieder beruhigt und jetzt gibt es keinen Ärger mehr.
Wenn sich das jetzt ganz schlimm anhört - das liegt ziemlich sicher an
meiner mitleidheischenden Übertreibungssucht ;). Es ist wirklich nicht sehr
schlimm, es geht mir nur auf die Nerven, dass ich einen Bodyguard brauch...
Oder das die Leute meinen, dass ich einen brauche. Im Grunde gibt’s keinen
Grund sich zu fürchten, wenn man halt einige Sicherheitsmassnahmen befolgt
(sowie Bodyguard, nicht nach Einbruch der Dunkelheit draußen etc. Aber die
meisten Kongolesen sind eh davon überzeugt, dass sich das in den nächsten
Tagen geben wird und ich schließe mich an. Wenn es nicht geht, dann muss
ich mein Flugticket umbuchen, um nicht vor lauter Eingesperrtsein völlig
verrückt zu werden. Ich fühle mich stark an die Schachnovelle erinnert,
nur dass ich keine karierte Bettdecke habe.  ;)
Ja... Inzwischen habe ich zumindest ein gültiges Visum, jetzt fehlt mir nur
noch die Bestätigung, das mit meinem Ticket alles in Ordnung ist, dann
kann ich mich schon darauf vorbereiten, nach Hause zu kommen. Immerhin habe
ich nur noch 58 Tage hier (der Countdown läuft).
Also, ich schick euch allen ein Bussi, es tut mir leid, wenn es in letzter
Zeit mit den Emails nicht so schnell geht, aber dadurch, dass ich nicht mehr
ausm Viertel kann, komm ich nicht mehr ins unser Internetcafé, soll heißen,
ich zahl jetzt wieder und da muss ich ein bisschen sparsam sein und die
Emails zu Hause vorschreiben.
Lena